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Eine Bildbetrachtung zum Fenster der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul in Telfs im Inntal

kirchenfenster telfs klein

Im Urlaub 2016 habe ich das Fenster in der Pfarrkirche von Telfs im Inntal im rechten Querschiff fotografiert und möchte mit Ihnen und Euch meine Gedanken dazu teilen:

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Der Kontrast zwischen den kräftigen roten und blauen und teilweise gelben Farben einerseits und der überwiegend weiß gehaltenen Mitte fallen mir als erstes ins Auge. Der Kosmos, das ganze Universum ist mit dem tiefblauen Hintergrund oben, mit den leuchtendgelben runden Formen darin, aber auch durch das Rund des Gesamtfensters dargestellt.

Ausschnitt aus dem Kirchenfester in Telfs: LöweÜbrigens habe ich bei nach längerem Hinsehen in den Bildteilen rechts unten einen Fisch und im nächsten die Schnauze eines Löwen entdeckt. Weitere Gestalten bleiben mir in der Deutung verborgen. Die gesamte Schöpfung in ihrer Entstehungsgeschichte ist aber auf jeden Fall im Fenster enthalten, auch symbolisiert durch die Sterne und die Samenzellen (?) als Ursprung des Lebens.

Die Farbe Rot dominiert weiter nach innen zu und vor allem auf der linken Seite: Feuerzungen, Blutstropfen oder beides? Die Darstellung ganz unten deute ich als gelbes Wurzelwerk eines Baumes.

Ausschnitt aus dem Kirchenfester in Telfs: ChristusIn der Mitte des Fensters sehe ich unschwer das Gesicht des gekreuzigten Herrn Jesus Christus mit der Dornenkrone, in den oberen zwei „Flügelbildern“ links ist eine Frau skizziert, rechts ein Mann. Der goldene Apfel rechts neben dem Gesicht Jesu und die schwebenden Blätter wecken eine Erinnerung: Adam und Eva und der Sündenfall, deshalb auch die Schlange unter Jesus: Der Weltenbaum mit seinen Wurzeln und Blättern und der leidende, sterbende Jesus als Mitte. Unheil, Krankheit, Schmerz und Tod – Teil unserer Welt.

„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“ (Johannesev. 3,16-17)

Dieses Schriftwort kommt mir in den Sinn: Was an Weihnachten begonnen hat: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1, 14), findet am Karfreitag seinen Höhe- und Zielpunkt und vollendet sich an Ostern und Pfingsten, letztlich im ewigen Ostern, wie wir im Glaubensbekenntnis sprechen: „Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben.“

Jesus Christus ist die Antwort Gottes auf alles Unheil und Leiden in der Welt, auch auf Unrecht und Sünde. ER ist die Mitte, auf die alles zuläuft. ER ist der Urknall der neuen Schöpfung, die von Gott geheilt und zur Einheit geführt wird. Von IHM her breitet sich die Liebe Gottes aus und heilt alles, was ER geschaffen hat. Es ist wie eine Explosion der Liebe, was an Karfreitag und Ostern geschieht. Das Feuer der Liebe ergreift alles.

Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu. (Offenbarung 21,3-5)

Ein Karfreitags- und Osterbild zugleich! Mitte unseres Glaubens: Christus ist „das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende.“ (Offb 21,6) Das steht jedes Jahr auf der Osterkerze.

Hat das alles mit mir, meinem Leben hier und heute zu tun? – Das ist die Frage, auf die wir gemeinsam in der Familie oder auch als einzelne eine Antwort suchen können in diesen Tagen: in der Stille je einzeln bedenken, danach sich behutsam austauschen ... und gemeinsam beten ...

Leiden, Schmerz, Krankheit, Tod, Enttäuschung, Gebrochenheit, Ohnmacht ... kann ich es in meinem Leben finden? Bei mir, bei anderen? Kann und will ich es „wahr“ sein lassen, indem ich es DEM hinhalte, der inmitten der Welt leidet?

Kann und will ich vertrauen, dass ER mit mir leidet und aushält und er_trägt? ER verhindert nicht, ER trägt mit. „Geheimnis des Glaubens“...

Wenn ich auf IHN in der Mitte schaue und dabei verweile: Wird sich in meinem Herzen etwas verändern? Wird Trost geschenkt? Werden Wunden heilen, auch wenn sie immer wieder schmerzen können?

Will ich beten und bitten, dass ich / dass wir glauben können, was uns die Worte Jesu oben verheißen: die unendliche Liebe Gottes, die uns in Jesus Christus geschenkt ist? Die Liebe, die heilt und vereint?

Wird Freude wachsen können, Freude aufgrund der Liebe und der Hoffnung, die geschenkt wird?

Christen singen seit Jahrhunderten:

noten im kreuz ist heil

Schließen wir mit dem Vater unser oder einem Lied ...

Die Hoffnung und Kraft der Liebe und der Segen des dreifaltigen Gottes sei mit uns allen! Herr, lass Ostern werden in unseren Herzen!
    

Ihr und Euer Pfarrer Alfred Kraus

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