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Predigt zum 6. Ostersonntag 2020

„Christus lieben in seinem Wort“ Joh 14, 15-21

Wie geht es Ihnen/Euch nach so vielen Wochen der Coronaeinschränkungen?

Gestern habe ich mit einer jungen Mutter telefoniert. Sie meinte: „Es wird Zeit, dass die Kindergärten wieder geöffnet werden. Die Kinder möchten mal wieder ihre Freunde sehen, nicht nur Papa und Mama. Irgendwie gehen wir uns schon manchmal auf die Nerven.“ Als ich nach der Oma fragte, antwortete sie: „Die macht uns am wenigsten Sorge. Wenn man anruft, ist das Telefon grundsätzlich besetzt. Außerdem hat sie eine gute Gemeinschaft in ihrem Wohnheim. Nachbarn kaufen für sie ein. Manche bringen einen Kuchen vorbei. Und sie unterhalten sich auch im Flur in mehreren Metern Abstand.“ – Das war doch zumindest eine gute Nachricht.

Wie geht es uns mit den Coronaeinschränkungen?

Wie geht es uns mit den Coronaeinschränkungen? – Als Katholiken leiden wir schon darunter, dass wir zuerst gar nicht zusammenkommen durften, jetzt mit vielen Einschränkungen und momentan auch nicht die hl. Kommunion empfangen dürfen. – Nervig finde ich das! Aber vielleicht ist es dennoch zu etwas gut! Vor allem, wenn Menschen achtsam miteinander umgehen und sich und andere vor schlimmen Folgen schützen. Ich denke mir: Das heutige Evangelium könnte nicht besser passen! „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ (Joh 1415) So spricht Jesus im Abendmahlssaal zu seinen Jüngern. In einem Kommentar habe ich dazu gelesen: Mit „Geboten“ ist Jesus als das Wort Gottes insgesamt gemeint, die Botschaft des Evangeliums, in dem Gott sich durch Jesus Christus ausgesprochen hat, in dem das Wort Fleisch angenommen hat.

So dürfen wir Jesu Wort im heutigen Evangelium so deuten: Eure Liebe zu mir zeigt sich, wie ihr mit meinen Worten umgeht, mit der Botschaft des Evan-geliums, das euch in der Bibel überliefert ist. Was ist es euch wert, wenn Sonntag für Sonntag aus der Heiligen Schrift vorgelesen wird? Glaubt Ihr denn, dass ich dann gegenwärtig bin; dass ich euch dann direkt ins Herz sprechen will?

Merkt ihr denn, dass ich euch mit diesen Worten verändern will? Seid ihr denn dazu bereit? Seid ihr offen dafür, dass Wandlung in euch geschehen kann? Traut Ihr es mir zu, dass ich euch durch mein Wort verwandeln kann in Menschen, die getröstet und zuversichtlicher wieder in den Alltag zurückkehren? Wünscht Ihr es Euch überhaupt, dass Ihr lebendiger, liebender, mutiger werdet durch mein Wort – durch mich?

Liebe Schwestern und Brüder! Ist das unsere Sehnsucht? – Ich glaube, dass es gut ist, wenn wir uns das vor Beginn des Gottesdienstes ins Bewusstsein rufen, oder auch dann, wenn wir allein oder mit anderen in der Bibel lesen – falls wir das überhaupt tun – dass wir die Sehnsucht nach Jesus in uns wach rufen: „Ja, Jesus, sprich zu mir! Jesus, verwandle mich, dass ich dankbar und froh werde, geduldiger, mutiger und liebender!“ –

Unser Gotteslob beginnt mit einem eigenen Kapitel: „Gottes Wort hören – Umgang mit der Heiligen Schrift“. Als Impuls steht das Bibelwort aus dem Lu-kasevangelium darüber: „Selig sind die, die das Wort Gottes hören und es befolgen.“ (Lk 1128) In einer Anleitung zum Betrachten der Hl. Schrift wird das Gebetswort vorgeschlagen: „Öffne mich, Gott, für deinen Heiligen Geist, damit ich verstehe, was du mir heute sagen willst.“ (GL 13) – Ich lade Sie ein, auch einmal zuhause die Schätze des Gotteslob zu entdecken.

„Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ (Joh 1415) – So sagt es uns Jesus heute im Evangelium. Aus dem Wort Gottes leben, damit es unser Leben prägt und verwandelt; damit Jesus unser Leben prägt und verwandelt.

Darum ist es keine halbe Sache, wenn wir heute „nur“ zu einer Wortgottesfeier versammelt sind. Ja, ich freue mich, wenn ich mit euch wieder die Eucharistie feiern kann; wenn ich selbst den Leib des Herrn empfangen und euch austeilen darf. Die Bischöfe haben beim II. Vatikanischen Konzil die Eucharistiefeier als „Höhepunkt und Quelle des christlichen Lebens“ bezeichnet. Sie haben aber auch geschrieben: „Gegenwärtig ist Christus im Opfer der hl. Messe.“ Und weiter: „Gegenwärtig ist er in seinem Wort, das er selbst spricht, wenn die heiligen Schriften in der Kirche gelesen werden. Gegenwärtig ist er schließlich, wenn die Kirche betet und singt, er, der versprochen hat: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 2820)“ [SC 7]

Genau das tun wir heute! Wir hören das Wort Gottes, wir geben unsere Antwort, indem wir beten und singen. Christus ist gegenwärtig! Vielleicht ist es das, was uns wieder neu bewusst werden kann in diesen Zeiten: Welcher Schatz das Wort Gottes ist! Wie Gott uns gegenwärtig ist, wenn sein Wort uns trifft und unser Leben prägt. Amen.

 

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