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Predigt an Neujahr 2021

Mit Gott beginnen: in der Kirche – oder zuhause

Heute vor einem Jahr – keiner hat es sich vorstellen können, was auf uns zukommt im Jahr 2020. Die große Pandemie hat unser Leben auf den Kopf gestellt. – Ich will nicht noch einmal aufzählen, was wir ja alle wissen, wie unser Leben verändert wurde. Aber was hat dieses Jahr mit uns gemacht? Wie können, wie wollen wir in das Neue Jahr 2021 starten?

Wir sehen es ja! Wir erleben es: Wir sind wieder hier in der Kirche, um mit einem Gottesdienst zu beginnen. Wir wollen mit Gott beginnen.

Ich erinnere mich an eine Bibelstelle im Johannesevangelium. Da wird erzählt, dass viele, die bisher mit Jesus gegangen sind, sich von ihm abwenden. Sie sind unzufrieden mit ihm. – Könnte uns das nicht auch passieren? War das vergangene Jahr nicht dazu geeignet, unseren Glaube in die Krise zu führen, gar zu zerstören? Vielleicht sind wir ja manchmal schwankend geworden. Aber heute sind wir hier! Und das ist gut so! Wir haben Gott nicht abgeschrieben! Wir lassen ihn nicht los. Wir halten uns trotz allem an IHM fest.

In jener Bibelstelle wird das Gleiche von Petrus erzählt. Jesus hat ihn und die anderen Jünger gefragt: „Wollt auch Ihr gehen?“ Petrus antwortet: „Wohin sollen wir gehen, Herr? Du hast Worte des ewigen Lebens!“ (Joh 6)

In allen Krisen, mit allen Fragen und Nöten haben wir nicht vergessen, was wir alles Gott und unserem Glauben an IHN verdanken. Vielleicht hat ja gerade unser Vertrauen in Gott uns – trotz allem – gut durch das vergangene Jahr getragen. Und wie oft schon haben wir es gespürt: Ja, Gott, in allem, worunter wir leiden und was uns durcheinander bringt, bist Du unser Halt!

Genau das wird uns an Weihnachten verkündet: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr.“ (Lk 2) Die Hirten hören es, sie glauben der Botschaft und laufen nach Betlehem, um das Kind zu sehen. Dort sehen sie ein paar arme Leute mit einem neugeborenen Kind: in einem Stall. Ist es nicht die pure Armseligkeit, die sie sehen?

Doch sie erzählen, was ihnen die Engel verkündet haben; wie diese Gott gelobt und gepriesen haben wegen dieses Menschenkindes Jesus: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.“ (Lk 214)

Ja, genau dort, wo nur Armseligkeit zu sehen ist, dort ist Gott gegenwärtig. ER hält sich nicht heraus. ER ist mittendrin im Leben mit seinen Nöten und Bedrängnissen. Maria hört die Worte der Hirten und „bewahrt sie in ihrem Herzen“. (Lk 219)

„Wohin sollen wir gehen, Herr? Du hast Worte des ewigen Lebens!“ – Möge uns dieses Wort in das Jahr 2021 begleiten. Möge es uns erinnern an das Gute, das Gott uns geschenkt hat. Möge es uns Zuversicht und Kraft schenken, wenn wir vom Leben herausgefordert werden.
Möge darum auf uns zutreffen, was der evangelische Theologe Ernst Lange gesagt hat: »Christen sind Menschen, die sich nicht von ihren schlechten Erfahrungen leiten lassen, sondern von ihren guten Erwartungen.«

Übrigens: Was ich heute in der Kirche beim Neujahrsgottesdienst predige, kann genauso für alle zutreffen, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht dabei waren. Es durften ja gar nicht alle kommen. Doch mit Gott das Neue Jahr beginnen, kann jeder und jede auch in den eigenen vier Wänden...
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Gottes Segen und Beistand im Neuen Jahr 2021!

Ihr Pfarrer Alfred Kraus

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